Pferderecht – Röntgenleitfaden 2018

//Pferderecht – Röntgenleitfaden 2018

Pferderecht – Röntgenleitfaden 2018

Ein Röntgenleitfaden stellt für Tierärzte eine wichtige Interpretationshilfe für die röntgenologische Beurteilung eines Pferdes im Rahmen einer Ankaufsuntersuchung dar.

Seit 01.01.2018 gehören die bis dahin existierenden Röntgenklassen der Vergangenheit an.

Bisheriges Vorgehen

Bisher wurde im Rahmen einer Ankaufsuntersuchung die röntgenologische Bewertung eines Pferdes mit Hilfe von Röntgenklassen vorgenommen. Die Einteilung erfolgte in Röntgenklassen von I-IV, sowie in die dazwischenliegende Zwischenklassen, wobei es nicht selten vorkam, dass bei einer Einstufung in die Röntgenklasse III oder schlechter von dem Kauf des jeweiligen Pferdes Abstand genommen wurde, obwohl die klinische Untersuchung des entsprechenden Pferdes im Rahmen der Ankaufsuntersuchung keinerlei Mängel zeigte.

Selbst der Bundesgerichtshof (BGH) hatte sich bereits mit dieser Diskrepanz zu beschäftigen und insbesondere in BGH VIII ZR 266/06 und BGH VIII ZR 32/16, entschieden, dass die Eignung eines Pferdes als Reitpferd, welches klinisch keinerlei Beeinträchtigungen zeigt, nicht durch geringfügig röntgenologische Abweichungen beeinträchtigt wird, wobei es irrelevant ist, ob es sich bei den betroffenen Pferden um Freizeitpferde oder um hochpreisige Sportpferde handelt (in der zuletzt genannten Entscheidung ging es um ein Dressurpferd mit einem Kaufpreis von EUR 500.000,-).

Dem Problem der Überbewertung der röntgenologischen Untersuchung soll mit dem Röntgenleitfaden 2018 entgegengewirkt werden.

Neuerungen

Der Röntgenleitfaden 2018 kommt ausschließlich bei lahmfreien Warmblütern ab einem Alter von drei Jahren zur Anwendung.

Es wird nunmehr lediglich zwischen zwei Arten von Befunden differenziert. Röntgenaufnahmen, die mit der normalen Röntgenanatomie übereinstimmen sind im Befundkatalog des Röntgenleitfadens nicht aufgelistet und müssen in der Befunddokumentation des Tierarztes nicht erwähnt werden. Im Befundkatalog des Röntgenleitfadens sind ausschließlich röntgenologische Befunde, die Abweichungen darstellen aufgelistet. Es wird zwischen Röntgenbefunden, die hinsichtlich des Risikos der Verursachung einer Lahmheit nicht zuverlässig eingeschätzt werden können und Röntgenbefunden, denen ein Lahmheitsrisiko anhaftet, unterschieden. Letztere sind in der Befundliste des Röntgenleitfadens mit „Risiko“ gekennzeichnet.

Alle im Befundkatalog des Röntgenleitfadens aufgelisteten Befunde sollen in der Befunddokumentation des Tierarztes mit Angabe der Ziffer, sowie der Befundbeschreibung des Röntgenleitfadens erwähnt werden. Sind im Röntgenleitfaden Befunde mit „Risiko“ bezeichnet, so muss dies in der Befunddokumentation des Tierarztes zum Ausdruck kommen.

Der Standartumfang einer röntgenologischen Untersuchung wird nunmehr auf 18 Röntgenaufnahmen erhöht, wobei Röntgenaufnahmen des Rückens und des Halses eines Pferdes auch nach dem neuen Röntgenleitfaden nicht unter die standartmäßig angefertigten Röntgenaufnahmen fallen.

Haftung Tierarzt

Bisher konnte ein Tierarzt haftungsrechtlich zur Verantwortung gezogen werden, wenn er einen fehlerhaften Befund im Rahmen einer Ankaufsuntersuchung erstellt hat. Dieser haftungsrechtliche Maßstab könnte ohne Weiteres auch bei Anwendung des Röntgenleitfadens 2018 beibehalten werden.

Wie die Umsetzung in der Praxis erfolgt bleibt abzuwarten.

2018-01-25T13:20:23+00:00

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